Birka Muster - Webanleitung

Bild 1: Band 2 vom Birkagrab 824
Die Historische Band

Die Handelsstadt Birka wurde vor etwa zwölfhundert Jahren auf der schwedischen Insel Björkö gegründet. Zahlreiche reiche Gräber wurden auf dem Gelände ausgegraben, die außergewöhnliche Zeugnisse von Textilien und anderen Artefakten aus der Wikingerzeit liefern. Es wurden eine große Anzahl von Tafeln gewebten Bändern gefunden, viele von ihnen broschiert in Silber.

Das Band aus Birkagrab 824 wurde in Seide mit Silberbrokat gewoben. Es war etwa 7 - 9 mm breit. Die Farbe der Seide ist mir nicht bekannt, aber Rot scheint eine sehr beliebte Wahl für Brokatbänder gewesen zu sein und wäre eine gute Wahl für eine Rekonstruktion. Es sieht toll aus und kontrastiert gut mit dem Silber. Ich vermute, dass die Wahl der roten Granate für den Cloisonneschmuck aus ähnlichen Gründen erfolgte.

Broschiertes Band aus dem Oseberggrab

Übersicht

Einer der Textilfunde aus dem Oseberg-Schiffsgrab ist ein broschiertes Band, das im Wikingerschiffsmuseum in Oslo ausgestellt ist. Ich habe mir die Band im Mai 2003 angeschaut, und dieser Artikel fasst zusammen, was ich über die Band erfahren konnte.

Das Band ist jetzt ein mattbräunliches Rot mit hellen Motiven. Ein Aquarell des zweiten Fragments vom Anfang des 20. Jahrhunderts gibt jedoch mehr Hinweise auf die ursprüngliche Farbgebung (siehe: ed. Arne Emil Christensen, Anne Stine Ingstad, and Bjørn Myhre, Oseberg-Dronningens Grav: Vår arkeologiske nasjonalskatt i nytt lys (Oslo: Schibsted, 1992), Seite 143).

Das Band ist etwa 1 Zoll breit, oder vielleicht etwas breiter. Es ist aus feiner Wolle gewebt, vermutlich mit einem Leinenschuss, der jetzt untergegangen ist. Ursprünglich scheint es eine schlichte Bordüre, auch aus Wolle, gegeben zu haben. Mindestens drei verschiedene Techniken wurden anscheinend verwendet, um das Band zu weben:
  • Kettmuster
  • Broschiertechnik
  • Sumaktechnik

Sophie Krafft

Sofie Krafft, die Forscherin, machte die ursprüngliche Untersuchung der Textilien aus dem Osebergfund.

Der Osebergwebrahmen

Allgemeines

Dieser Webrahmen in Buchenholz wäre auch einmal mein Traum, jedoch habe ich noch niemanden gefunden, der mir diesen einmal nachbauen möchte.  Selber bin ich leider kein Holzwürmchen.

Dennoch gibt es ein paar Dinge, die mich davon auch abhalten, dieses Vorhaben letztlich auch umzusetzen.

02. Historisches

Es gibt bei diesem Webrahmen im Moment noch mehr Fragen als Antworten. Ein Problem ist, dass man gar nicht weiß, wofür der Osebergrahmen benutzt wurde.
  • Gewichtswebrahmen ? Der Oseberg-Webrahmen bestand, so wie ich das sehe, aus zwei senkrechten Pfosten, die durch waagerechte Bretter ausgesteift wurden. Damit konnte man Anfangskanten machen, aber keine Seitenkanten.
  • Es gibt auch Interpretationen, die sagen,
    •  ... es wäre ein Sprangrahmen
    • ... ein Gerät, wo man eher Teppiche hergestellt hat.

Wolle und was man beachten kann

Wolle ist nicht gleich Wolle. Jede Art und Sorte läßt sich anders verarbeiten. Auch die Wollstärke beeinflußt das Gesamtergebnis.

01. Welche Wolle ?

Im Grunde funktioniert fast jede Wolle . . .
  • Baumwolle
  • Schafwolle
  • Seidengarn
Es ist also eher die Frage, wie „authentisch“ (im Sinne von "glaubwürdig") es sein soll, und wie gut die eigenen Kenntnisse bereits im Kammweben sind. Wir müssen uns daher auch folgendes fragen:
  • Welche Wolle gab es in dem Umfeld der Person, die man darstellen möchte. War man auf das angewiesen, was es vor Ort gab oder konnte man sich Wolle von Händlern leisten, die diese von ihren Reisen mitbrachten ?
  • Zu welchem Stand gehört die Person, die man darstellen möchte. Reiche Leute konnten sich teure Materialien leisten, während ein einfacher Mann sich höchstens eine gewebte Borte aus Schafswolle leisten konnte..
  • Soll meine Kammborte eine Replik sein oder nicht. Wenn es eine Replik sein soll, dann muß man sich in Museen umschauen, und hoffen, dass es Funde aus der gewählten Zeit und Ort gibt.
Tipp für den Anfänger:

Kammweben - Nutzungsmöglichkeiten & Materialien

Nutzungsmöglichkeiten

Wenn man sich mit Handarbeit beschäftigt, sollte man sich zuvor Gedanken machen, ob man das, wofür man einige Stunden Zeit investiert, auch sinnvoll nutzen kann und zudem, ob man es überhaupt benütigt. Andernfalls hat man unnütz Zeit und Energie in ein Projekt investiert und wird damit nicht glücklich-

Kammgewebte Bänder sind wunderschön, um Gewändern eine persönliche Note zu geben. Auch als Gitarren-, Uhr- oder Hutband werden sie gerne verwendet. Reste kann man sehr schön als Lesezeichen verwenden. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Materialien zum Kammweben

Zum Kammweben benötigt man keine teuren Materialien. Je nachdem welche Arbeitsweise man bevorzugt, gibt es kleinste Unterschiede. Grundsätzlich gibt es zwei Arbeitsweisen:
  1. Weben am / mit Gürtel
  2. Weben am / mit Webrahmen
Unabhängig von den Arbeitsweisen liste ich hier die Materialien einmal auf:

Für wen ist Kammweben geeignet ?

Kammweben bietet eine tolle Möglichkeit, kreativ zu sein. Wer kreativ sein möchte, der findet hier eine schöne Gelegenheit, sich entfalten zu können.

Ein weiterer Punkt ist, dass man zum Kammweben keine teuren, speziellen Arbeitsgeräte braucht. Alles, was man braucht, kann man günstig basteln bzw. findet man im Haushalt.

Kammweben ist schon für Kinder im Grundschulalter (ab 8 Jahren) geeignet. Die Technik ist geradezu ein ideales Schulprojekt, z. B. vor den Ferien, wenn die Zensuren ohnehin feststehen oder für ein Schulfest mit entsprechenden Themenschwer-punkten wie
  • "Handarbeit"
  • "Textiles Werken gestern und heute"
  • "Dekoratives und Nützliches selbst gestalten und anfertigen"
  • "Webkunst"
  • "Bandweben"
  • "Mittelalter"
  • Mädchenprojekt "Gewebte Freundschaftsbänder"
um nur einige zu nennen.

Das  Kammweben ist faszinierend, und mit dieser Orientierungshilfe möchte ich Euch erklären, wie man einfache Muster weben kann, denn auch in dieser Technik lassen sich bereits wunderschöne Muster weben und natürlich entwerfen ! Noch mehr Gestaltungsmöglichkeiten bietet allerdings das Brettchenweben. Diese Technik ist jedoch nicht nur ein klein wenig komplizierter, sondern auch mitunter etwas "zeitfressender".

Webkamm - Aus Holzleisten selbst herstellen

A. Allgemeines zum Webkamm

Wir benötigen zum Kammweben einen Webkamm, denn es heißt ja auch schließlich "Kammweben". Was ist ein Webkamm überhaupt ? Grob erklärt:

  • Der Webkamm dient zur Herstellung von Bändern oder etwas schmaleren Geweben. Er besteht aus Schlitzen und Löchern, durch die die Kettfäden gezogen werden. Die Fächer zum Weben entstehen durch das Anheben und Absenken des Webkamms.
  • Die Kettfäden in den Löchern bleiben immer an ihrem Platz, die Fäden in den Schlitzen können sich so hoch- und runterbewegen.
B. Mein Webkamm

Dies ist mein Webkamm. Wie man unschwer erkennen kann, hat er Platz für 29 Kettfäden, denn er hat 15 Löcher und 14 Schlitze. Für kleine Webprojekte ist er völlig ausreicht. Für größere Projekte reicht er leider nicht, da nur recht wenige Kettfäden Platz finden.

Ich möchte Euch erklären, wie man diesen kleinen Webkamm nachbauen kann. Natürlich kann man ihn auch größer bauen. Es kommt darauf an, wieviel Stege man benutzt, Entsprechend länger müssen dann aber auch die Querstreben sein. Das versteht sich dann aber von selbst ! Aber kommen wir jetzt erst einmal zum Nachbau meines oben abgebildeten Webkammes.

Bänder zu teuer ?

Wenn man durch das Internet suft oder über Märkte schlendert, wird man sehen können, dass gewebte Borten meistens nicht unter 12 bis 15,- Euro zu haben sind, obwohl diese oftmals unscheinbar aussehen.

Diese Preise sind, meiner Meinung nach, fast schon zu preisgünstig, auch wenn einige Interessenten im kollektivem Gejammer ausbrechen. Klar, für eine Tunika muß man gut 4 bis 5 Meter Borte einrechnen. Wer möchte da schon ab 60,- Euro nur für Zierrat bezahlen ? In Zeiten des HartzIV und Mindestlohn, wo es vielen gar nicht mehr so gut geht, ist das verständlich.

Aber es ist auch zu bedenken, dass
  •  ... hier noch wirkliche Handarbeit geleistet wird. Oft sind die Borten, die man in den Portalen findet, als Beispiel gedacht. Die Anbieter bieten oft an, die Borten auch nach Kundenwunsch zu weben. 
  • Handarbeit sollte man gebührend wertschätzen, zumal jeder viel Liebe in seine Werkstück steckt. Auch kleine Unregelmäßigkeiten sind in Ordnung, denn daran sieht man, dass das Band nicht maschinell hergestellt wurde.
  • ... Handarbeit ihre Zeit kostet. Es gibt Muster und Techniken, die von Haus aus komplizierter zu weben sind.  
Trotz allem muß es für alle Beteiligten fair bleiben. Damit meine ich zum Beispiel:
  • Den Bauer, der seine Schafe als "Wollieferant" möglichst artgerecht hält.
  • Den Plantagenbesitzer und deren Mitarbeiter, die Baumwolle oder Flachs anbauen und verarbeiten.
  • Der Händler, der die Borte webt und verkauft.
  • Der Käufer

Handout für Workshop "Kammweben II"

Kammweben macht Spa´, ob man es glaubt oder nicht. Natürlich ist man mit den Mustern etwas eingeschränkter als mit Brettchenweben, aber auch hier gibt es einige Techniken, die man anwenden kann.

In meiner Wikingerschule werde ich 2 Module anbieten, um das Kammweben interessierten Leuten zu erklären. Es wird auch ein Handout geben, was als Orientierungshilfe dienen wird. Diese Handouts gibt es nur in Verbindung mit einem Workshop, und sollen keine Fachliteratur ersetzen.

Baltisches Pick Up


Es gibt verschiedene Arten von Pick-up Webtechniken, und jedes führt zu einem anderen Musterangebot. Ich finde jedoch, dass der baltische Stil eine einfache Technik ist, um die Art von abgewinkelten Mustern zu erreichen